Da es mehrfach gewünscht wurde, gibt es nun einen tollen Beitrag zum Thema Formenbau und der Verwendung von Silikon.
Dazu werde ich dir in diesem Blog Eintrag zwei Silikone vorstellen, dir erklären wofür du sie benutzen kannst und was du beachten musst.

Aufgrund der Komplexität dieses Themas habe ich mich dazu entschieden die Themen Silikon und Gießharz in zwei einzelnen Blog Einträgen unter die Lupe zu nehmen. Schau dir also gerne noch diesen Blogeintrag an.

Der Einsatz von Silikon lohnt sich besonders dann, wenn du einen Gegenstand oder ein Detail mehr als nur einmal brauchst, oder aber ein Gegenstand einfach zu schade zum verbauen ist. Aber auch dann wenn du besonders feine oder flexible Details erstellen willst.
Zum Abformen eignet sich ein bereits fertiger, vorhandener Gegenstand, wie z.B. ein Anhänger, Hörner für ein Kostüm, ein Knopf usw. oder aber du modellierst dir den Gegenstand selbst. 

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Die Anfertigung mit Modelliermasse
  2. Die Anfertigung mit Worbla
  3. Die Anfertigung mit einem speziellem Formbau Plastilin

    Vor- und Nachteile dieser Varianten:

1. Die Modelliermasse wie z.B. Fimo , Ton oder Miliput. Beachtet aber das die Masse zum Abformen geeignet sein muss. Fimo Air z.B. ist nicht dafür geeignet, da das Silikon durch gewisse Inhaltsstoffe der Modelliermasse nicht aushärtet. Solche Inhaltsstoffe können z. B. Schwefel, unvernetztes Epoxid- und Polyesterharz, Latex, Kondensationssilikon oder Polyurethankautschuk sein. Achtet beim Kauf eurer Modelliermasse darauf oder Versiegelt eurer Werkstück am Ende mit Acryllack, dieser verhindert das die Stoffe und das Silikon in Berührung kommen.
Das Fimo für den Backofen ist allerdings sehr gut geeignet. Sowohl Fimo, Ton als auch Liliput lassen sich sehr gut modellieren und nach dem Verarbeiten mit den Fingern glätten. Es können sehr feine Details eingearbeitet werden, die sich am Ende im Silikonabdruck wiedergeben.

2. Auch Worbla ist super geeignet um Gegenstände zum Abformen herzustellen. Der Vorteil liegt darin, dass du dein Werkstück jederzeit erneut erwärmen und bearbeiten kannst. Dies geht so oft und lange wie du magst. Die Oberfläche kannst du mit einem glatten Modellierwerzeug (am besten Metall) glätten. Wenn du die Oberfläche perfekt glatt machen möchtest, musst du die Oberfläche mit Sprayfiller und Schleifpapier nach bearbeiten.

3. Als dritte Variante gibt es speziellen Formbau Plastilin bei KauPo. Darunter fällt z.B. der Chavant oder Monster Clay.
Aber auch bei Troll Factory kann man fündig werden. Dort gibt ebenfalls ein Formbau Plastilin, welches sogar lebensmittelecht ist. Bei Hitze wird das Plastilin weich und leicht verformbar. So kannst du auch sehr feine Details nachbilden. Allerdings bleibt die Masse sehr weich, daher musst du auspassen, dass du vorsichtig mit deinem Werk umgehst. Um die Oberfläche so sauber und fein wie möglich zu bekommen, kannst du diese am Ende mit einem feinen Pinsel und Verdünner nach bearbeiten.

Bedenke, dass Silikon jedes noch so feine Detail übernimmt und dies am Ende an deinem Guss zu sehen ist. Wenn du also mit einem Detail nicht zufrieden sein solltest, bearbeite es lieber nochmals nach damit du mit deinem Ergebnis auf jeden Fall zufrieden bist! 
Übrigens, zum Bearbeiten der jeweiligen Materialien kann ich dieses Modellierwerkzeug empfehlen.

Nachdem du dein Werkstück vorbereitet und gut gesäubert hast, kannst du dazu über gehen eine Silikonform herzustellen.
Damit du dein Werkstück mit Silikon abformen kannst, ist es notwendig Wände darum zu erstellen die das Silikon an Ort und Stelle halten. 

Dazu gibt es verschiedene Herangehensweisen.

Zum Beispiel kannst du die Wände für deine Form mit alter Pappe oder Foam bzw Moosgummi Resten in Kombination mit Heißkleber herstellen. Aber auch eine Erstellung mit Lego Steinen ist möglich. Ich verwahre ebenfalls alte Kaugummi Dosen für diese Zwecke. Wenn du mal kleinere oder runde Silikonformen erstellen musst, kannst du dir die Kaugummi Dose in die richtige Höhe zuschneiden und als Gussform für das Silikon verwenden.

Hier ein Beispiel wie ich mit dieser Methode die Form für das Auge für die Waffe von Dragon Symmetra hergestellt habe:

 

In den meisten Fällen verwende ich allerdings Pappe oder Moosgummi. Das hat für dich den Vorteil, dass du das Material gut in die richtige Größe schneiden und deinen Abtrennung auch um Rundungen herum führen kannst. 
Lege dein Werkstück auf eine Arbeitsunterlage und achte darauf das diese flach und glatt ist. 
Ist dein Werkstück zu empfindlich, markiere dir die Position auf deiner Unterlage. Um dein Werkstück bzw die Markierung drum herum erstellst du nun deine Wände. 
Überprüfe die Höhe deines Werkstücks und schneide dir Pappe oder ähnliches in der passenden Höhe zurecht. 
Dieses lange Stück kannst du nun um dein Werkstück/die Markierung herum positionieren und mit Heißkleber festkleben. 
Wiederhole diesen Vorgang bis du die Wände rings herum um dein Werkstück/Markierung geschlossen hast. 

Achte darauf das deine Wände gut verschlossen sind damit das Silikon nicht ausläuft. Silikon läuft wirklich durch jeden kleine Ritze, daher schließe alle Lücken mit Heißkleber egal wie klein sie sind.
Aber keine Panik, du kannst auch jederzeit mit Heißkleber nacharbeiten, solltest du beim Befüllen feststellen, dass irgendwo Silikon entweicht. 

Hier ein Beispiel für dich, wie ich die Wände mit Karton für Details auf den Schultern meines Cyberpunk Cosplays angefertigt habe.

Als nächstes kannst du nun dein Silikon mischen.
Dazu kannst du z.B. Papp- oder Plastikbecher nutzen. Der Vorteil an Silikon ist, dass du es nach dem Aushärten wieder aus dem Becher lösen und den Becher somit mehrere Male verwenden kannst. 

Es gibt natürlich verschiedene Silikone und ich werde dir hier zwei Silikone vorstellen, welche ich benutze.

Zum einen das Silikon von Trollfactory sowie Mold Star von Smooth On, welches du über KauPo bestellen kannst.  

Die Silikone von Trollfactory gibt es in weich und mittelhart. Ich verwende immer das mittelharte Silikon für meine Formen, da das weiche recht schnell kaputt geht. Wenn ihr die Form nur 1-2 Mal benötigt geht natürlich auch das weiche, allerdings nutze ich meine Silikonformen recht lange und häufig.

Vor- und Nachteile des Trollfactory Silikons:

  • das Silikon ist in verschiedenen Größen (0,5, 1, 2, 10 und 20 kg)
  • das Silikon härtet sehr schnell aus und kann nach 20-30 Minuten verwendet werden
  • das Silikon reißt bei häufiger Verwendung recht schnell
  • kann nach Volumen 1 zu 1 gemischt werden
  • muss nicht entlüftet werden.

Die Silikone von KauPo gibt es in verschiedenen Härte Graden erhältlich, auch Shore genannt. Je kleiner die Zahl desto weicher ist das Silikon Shore 20 ist somit weicheres Silikon als Shore 30. Hier ist es wichtig, dass du Mold STAR Silikon kaufst und nicht Mold MAX, denn das Mold Max Silikon sollte vor der Verwendung mit einer Vakuumkammer entlüftet werden und diese sind leider sehr teuer.

Vor- und Nachteile des Mold Star Silikons:

  • das Silikon ist sehr reißfest und die Form kann lange verwendet werden
  • das Silikon benötigt bis zu 6 Stunden zum aushärten
  • das Silikon gibt es nur in einer kleinen Größe
  • kann nach Volumen gemischt werden
  • muss nicht entlüftet werden, es wird aber dazu geraten


Die Produkte von Smooth On, die ihr bei KauPo erwerben könnt, sind sehr vielseitig und es ist für nahezu jedes Projekt etwas in dem Shop erhältlich. Sowohl die Silikone als auch die Gießharze werden auch im Profi Bereich wie z.B. von Maskenbildnern oder Kostümbildnern und weiteren, verwendet. Die Produkte sind relativ teuer, überzeugen aber durch ihre Beständigkeit und die Qualität. 

Die Produkte von Trollfactory sind meiner Meinung nach besonders gut für Anfänger geeignet und lassen sich sehr leicht verarbeiten. Die Formen sind sehr schnell angefertigt und sind nach kurzer Zeit einsatzbereit. Gerade wenn es schnell gehen soll oder du dich in die Formbau-Technik einarbeiten möchtest, finde ich die Produkte echt super.

Hinweis zum Mischverhältnis

Hier noch ein kleiner Hinweis:
Ist ein Produkt nicht nach Volumen mischbar, ist eine Waage notwendig. Diese sollte auch den Milligramm Wert anzeigen, eine normale Küchenwaage reicht hier nicht aus.
Das Mischungsverhältnis wird dabei immer auf der Verpackung angegeben.

Nachdem du nun dein Silikon entsprechenden den Hinweisen auf der Verpackung in deinem Becher eingegossen und dieses gut vermischt hast, kannst du es nun über dein Werkstück gießen. Achte beim rühren darauf, dass du nicht zu schnell rührst um nicht so viel Luft unter zu schlagen.
Achte darauf, dass du das Silikon zum einen am tiefsten Punkt einfließen lässt und zudem mit einem möglichst feinen und gleichmäßigen Strahl. So kannst du der Entstehung von kleinen Luftblasen gut entgegen wirken.
Die Wände sorgen dafür das sich das Silikon gleichmäßig nach oben verteilt und nicht zu den Seiten weg läuft.

Dein Werkstück sollte komplett mit Silikon bedeckt sein und die höchste Stelle um circa zwei Zentimeter übersteigen. Ist das Silikon an der höchsten Stelle zu dünn, kannst du die Form am Ende nicht gut verwenden, da sie zu weich ist und somit schnell reißt oder nicht die richtige Form behält.

Bist du mit dem Ergebnis zufrieden, kannst du dich zurück lehnen und warten bis das Silikon ausgehärtet ist oder einer anderen Arbeit nachkommen.

Hier noch ein Beispiel zu dem Störsender von meiner Cyberpunk Cosplay:

Den Störsender auf der Jacke meines Cyberpunk Cosplays, habe ich mit dem Chavant Clay vor modelliert, ausgearbeitet und anschließend eine Silikonform davon erstellt.
So war es mir möglich auch kleinste Details auszuarbeiten und diesen anschließend mit einem flexiblen Gießharz zu gießen.

Mehr zu Thema gießen und Gießharz gibt es in einem weiteren Blogeintrag zum Thema Formenbau Basics: Gießharz

Und weiter geht es mit dem Thema Gießharz

Nun soll die erstellte Form auch zum gießen deiner Werke verwendet werden.
Dafür gibt es verschiedene Gießharze die du verwenden kannst. Die Auswahl hier ist riesig und das richtige Produkt zu finden ist nicht immer einfach. Dafür kann ich dir den Kundenservice der Firma KauPo empfehlen, diese sind sehr kompetent und leiten dich bei Bedarf an einen Fachmann weiter. Ich habe bisher nur mit einer Produktlinie von der Firma KauPo gearbeitet und diese möchte ich dir nun vorstellen.

Für meine Projekte verwende ich die angebotenen Polyurethangiessharze und davon die Serie Smooth Cast 45D – 66D.

Auch hier gilt: je niedriger die Zahl desto weicher und flexibler ist das Harz.

Achte unbedingt darauf welches Mischverhältnis deine Harze haben.
Die Smooth Cast Serie hat z.B. ein Mischverhältnis nach Volumen von 1:1 ABER wenn du es abwiegst ist das Mischverhältnis je nach Harz ganz anders (bei 65D z.B. 100A:93B) und muss vorher ausgerechnet werden. Zum messen der Harze ist eine Feinwaage notwendig welche 0,01g Stellen anzeigt, du kannst keine normale Küchenwaage verwenden. 
Das Mischverhältnis ist auf der Packung nochmal angegeben bzw kann auf der Seite nachgelesen werden.

Es ist wichtig, dass du beim Arbeiten mit Gießharzen unbedingt ausreichende Schutzkleidung trägst. Denn sowohl die Dämpfe die beim Gießen entstehen als auch das Harz auf der Haut sind nicht ungefährlich. Auch hier gibt es immer Informationen auf der Homepage für dich bzw in dem Heft das dem Gießharz beiliegt. Wenn ich mit den Harzen arbeite trage ich immer lange Kleidung, Einweghandschuhe und auch einen entsprechenden Atemschutz.

Beispiele für die Anwendung von Smooth Cast 45D und 65D möchte ich dir gerne anhand meines V Cosplays aus dem Spiel Cyberpunk 2077 zeigen. Aber auch bei anderen Cosplays kamen die Produkte zum Einsatz, was ich dir natürlich ebenfalls zeigen werde.

Bei V habe ich die runden Schoner auf den Schultern mit dem Smooth Cast 65D gegossen und den Plastik Störsender auf der Schulter mit dem Smooth Cast 45D.

Wie ich die Silikonform für die Schoner auf der Schulter erstellt habe, hast du sicher schon im oberen Abschnitt zum Thema Silikon gesehen. Nun ist es möglich den Schoner mit dieser Silikonform so oft du es willst zu vervielfältigen.
Dazu gibst du die gewünschte Menge Gießharz in deine Silikonform geben und hast dabei zwei Möglichkeiten:
a) ein Hohlguss oder b) ein Vollguss.

In diesem Fall habe ich mich für einen Vollguss entschieden und habe die Silikonform komplett gefüllt, um die Schoner am Ende besser befestigen zu können, habe ich den Rand durch schwenken etwas vergrößert.
Damit der Schoner direkt eine richtige Grundfarbe hat, habe ich zusätzlich noch schwarze Farbpigmente hinzu gegeben.
Das Smooth Cast 65D ist nach dem aushärten weiß, wenn du es nicht einfärbst

Gießharze haben eine Tropfzeit und eine Entformzeit, welche du beachten musst.
Tropfzeit bedeutet, dass das Gießharz in dieser Zeit verarbeitungsfähig und noch niedrigviskos bzw „flüssig“ ist. Beträgt die Tropfzeit z.B. 5 Minuten, kannst du das Harz in dieser Zeit verarbeiten. Anschließend ist es schon so hart, dass es sich nicht mehr gut in der Form gießen bzw verarbeiten lässt.
Die Entformzeit ist die Zeit, die das Gießharz benötigt um komplett auszuhärten, was bedeutet, dass der Härter in dieser Zeit noch arbeitet und dementsprechend noch nicht die volle Härte erreicht hat. 
Beachte dazu bitte die Angaben bei deinem Gießharz und lies dir durch welche Gegebenheiten für eine gute Verarbeitung gewährleistet sein müssen. 

Für den Plastikstörsender auf der Schulter habe ich mich bei diesem Projekt für das Smooth Cast 45D entschieden.
Hier liegt der Vorteil darin, dass das Harz flexibel ist und sich daher für den Part an der Schulter gut eignet.

Auch hier habe ich den Teil vormodelliert, eine Silikonform erstellt und anschließend mit dem Harz gegossen.
Dabei habe ich keinen Vollguss erstellt, sondern das Harz während der Tropfzeit in der Form verteilt.
Und keine Panik! Sollte an einer Stelle nicht genug Gießharz sein, kannst du auch eine zweite Schicht mit einer geringeren Menge erneut eingießen.

Auch hier habe ich wieder die schwarzen Pigmente verwendet, um den Störsender direkt in der richtigen Farbe zu haben.

Auf folgende Dinge solltest du bei der Verwendung von Gießharzen achten:

gut belüftete Umgebung

ausreichende Schutzkleidung

Raum- und Lagerungstemperatur beachten

Mischbehälter und Stäbchen zum verrühren müssen trocken und sauber sein

Harze müssen gut, gleichmäßig und langsam vermischt werden

zwischen Mischen und eingießen keine Verzögerung lassen

das Harz langsam, gleichmäßig und am tiefsten Punkt in die Form gießen um eine Blasenentwicklung zu reduzieren

Bei Bedarf ein Trennmittel verwenden um die Lebenszeit der Form zu erhöhen

Ein weiteres Beispiel für die Verwendung von Gießharz und Silikon findest du an meinem Shani Cosplay aus The Witcher 3.

Dort habe ich die Schließen und die einzelnen Gürtelteile mit Worbla’s Pearly Art vor modelliert, mit Silikon abgegossen und anschließend mit Smooth Cast 65D vervielfältigt.

Wenn du mehr über das thermoplastische Material Worbla erfahren möchtest, schau gerne in meinem Blog oder auch in meinem Shop vorbei. Im Blog erkläre ich dir einiges zum Material, im Shop gibt es mein Buch „Worbla Basics“ in dem ich alles erkläre was du zum Thema Worbla wissen solltest. Außerdem gibt es dort das Material selbst, wie auch verschiedene Bastelsets.